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Na toll. Jetzt soll ich auch noch schuld sein?

Die Messlatte liegt hoch. Der selbstgebaute Parcours bringt den hohen Leistungsan-spruch seines Erbauers zum Ausdruck. Zu bewältigen ist der Parcours aber nicht durch den Erbauer allein, sondern gemeinsam mit vierbeinigen Kollegen, die das Errichten des Parcours ohne große Anteilnahme verfolgt haben.

Gemeinsam mit der Pferdedame Amira startet der Teilnehmer in den Parcours. Das erste Stück Weg läuft ohne Probleme. Die kurze Leine scheint sicherzustellen, dass es keinerlei Missverständnisse in der Kommunikation gibt. Der Teilnehmer geht langsam, Amira passt sich dem Tempo an. Als nächstes steht das Überqueren des Stangenwaldes an. Füße hoch, heißt es. Es stockt. Der Teilnehmer ist bereits über die erste Stange geklettert, Amira steht noch vor der Stange. Es folgen der zweite und dritte Versuch. Die Leine wird stärker in Anspruch genommen. Vielleicht geht es ja mit mehr Ziehen besser. Am Ende schaffen sie es gemeinsam über die Stangen. Der Teilnehmer ist dennoch deutlich unzufrieden mit der Leistung. Störungsfrei und ohne Stocken hat er den Parcours durchlaufen wollen. Das Amira so bockt, konnte er ja nicht ahnen. Er war als Führender doch nun mehr als klar, deutlich und direkt. Was will so eine Kollegin mehr?

Das Feedback der Beobachter und die Videoaufzeichnung verdeutlichen, was die Kollegin Amira in der Leistungssituation von ihrer Führungskraft anders gewollt haben könnte. Platz, um sich zu bewegen. Mehr Spielraum, um für sich selbst beim Überqueren der Stangen zu sorgen. Die gezeigte Führung „am Schneidezahn“ war für den Teilnehmer harter Tobak. „Na toll, jetzt soll ich auch noch schuld sein.“ entfuhr es ihm. Er hatte sich so angestrengt und nun soll Amiras Fehlverhalten auch noch auf sein Handeln zurückzuführen sein? Kann gar nicht sein. Amiras Verweigerung hat mit Sicherheit andere Gründe.

Es dauerte noch eine Weile, bis der Teilnehmer den Gedanken, dass er Amira schlichtweg im Weg stand, an sich heran lassen konnte. Der Wunsch, die Situation im Griff zu haben, jederzeit sich selbst und den Anderen kontrollieren zu können und „Fehler“ damit von vornherein zu vermieden, war groß und verständlich.

Am ganzen Körper und mit aller Macht zu erfahren, welche Auswirkungen die eigene Einstellung auf die Beziehungsqualität zu den Mitspielern hat, war für den Teilnehmer im ersten Augenblick kaum zu ertragen. Auch die Erkenntnis, dass die Leine kurz war und er mit seinem Körper in Amiras Bewegungsbereich eingedrungen war, tat im ersten Moment weh.

Für den Teilnehmer ging es im Nachgang zum Erleben am Pferd unter anderem darum, für sich herauszuarbeiten, in welchen Situationen er im Berufsleben bei sich selbst Unsicherheit und Unwohlsein wahrnimmt und wie er darauf üblicherweise reagiert (häufigere Wiedervorlage der Vorgänge, mehr und längere Termine, Abzeichnen von Vorgängen nur durch ihn).

Danach wurde an der Frage gearbeitet, welches Verhalten zu einer längeren Leine in der Arbeitswelt führen kann (z.B. Bedürfnisklärung bevor die Aufgaben übergeben werden, erläutern der eigenen Erwartungen und Abgleich mit den Erwartungen und Möglichkeiten der Kollegen). Denn mit Amira hat es im erneuten Versuch mit längerer Leine deutlich flüssiger geklappt. Besseres Ergebnis, höhere Zufriedenheit bei allen Beteiligten und geringerer eigener Führungsaufwand. Mit diesem Erfolgserlebnis im Rücken fiel es dem Teilnehmer dann auch wesentlich leichter, sich der von ihm aufgeworfenen „Schuldfrage“ zu stellen.

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Über Doreen Beier

Die Menschen- und Pferdekennerin coacht mit ihren Pferden Führungskräfte aus ganz Deutschland. Ihr Buch „Überholen mit 1 PS – Wie Manager von Pferden lernen“ erzählt amüsant und selbstkritisch zugleich die Geschichte von CHIRONDO, erläutert psychologisches Basiswissen und liefert detaillierte Beschreibungen der Trainingsmethoden. Als Blog-Autor schreibt sie zu Führungsthemen, gibt Einblicke in die CHIRONDO Welt und stellt ihre Vision des modernen Führungskräfte-Trainings vor.
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Autor: Doreen Beier am 12. Feb 2013 08:56, Rubrik: Seminare / Trainings, Seminarberichte, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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